Von Michael Hagel, Westfälische Nachrichten, 7.11. 2025
KREIS STEINFURT. Essen verbindet bekanntlich, es schafft Gemeinschaftsgefühl und Wohlbefinden. So wie am Donnerstag in der „Lernen fördern“-Niederlassung in Emsdetten: Dort kocht Jung für Alt ein Drei-Gänge-Menü der gehobenen Kategorie. Genauer: Zwölf junge Menschen zwischen 16 und 19 Jahren servieren 15 Seniorinnen und Senioren aus dem Emsdettener Altenheim St.-Josef-Stift ein richtig leckeres Mittagessen. Worum es bei dem Projekt sonst noch geht, erklären Einrichtungsleiterin Marion Diekmann sowie Ausbilder und Meisterkoch Fiete Terhaer. „Wir begleiten hier aktuell zwölf junge Menschen, die noch keine berufliche Perspektive entwickelt und noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben.“ Zwei Tage Schule, drei Tage bei „Lernen fördern“, so deren Wochenstruktur. Und weil ihr Ausbilder Fiete Terhaer gleichzeitig Meisterkoch ist, beschäftigt er die jungen Menschen in der Emsdettener Schulküche von „Lernen fördern“.
„Donnerstags haben wir hier immer ein ,Restaurant‘ für geladene Gäste“, sagt Terhaer.
Dann essen diverse Kooperationspartner von „Lernen fördern“ dort für einen äußerst moderaten Kostenbeitrag. So wie das St.-Josef-Stift. Seit dem Morgen waren einige Jugendliche unter Terhaers Anleitung mit den Vorbereitungen beschäftigt: Lebensmittel einkaufen, Menüfolge vorbereiten, Speisekarten erstellen, Tischdeko arrangieren, schnibbeln, braten, kochen. „Aber die Jugendlichen lernen noch einiges mehr“, sagt „Lernen fördern“- Vorstandssprecherin Andrea Rüter, die am Donnerstag in Emsdetten ebenfalls dabei war. Und Marion Diekmann ergänzt:
„Sie lernen alle betrieblichen Abläufe kennen: kochen, die Planung machen, den Einkauf, die Durchführung, den Service, die Kostenabrechnung und nachher auch die Evaluation.“
Also neben Gastro- auch kaufmännische Tätigkeiten. Und im Falle des Emsdettener Seniorenheims auch bestimmte Pflege-Aspekte. „Einige der Jugendlichen sind schon heute Morgen zum St.-Josef-Stift gegangen, haben sich die Einrichtung angesehen, dort Infos zur Pflege erhalten – und sogar ein Rollstuhltraining absolviert“, berichtet Marion Diekmann. Das Beste: Zwei der jungen Menschen sind neuerdings dort schon im Praktikum. Denn das ist laut Marion Diekmann ein großes Ziel solcher Projekte, die es in ähnlicher Form, aber in anderen Gewerken, auch an den weiteren fünf „Lernen fördern“- Standorten im Kreis Steinfurt gibt: „
Wir möchten die Jugendlichen in eine Ausbildung vermitteln, ihnen zumindest eine solche Perspektive geben, wozu dann auch Praktika gehören.“ „Die Jugendlichen lernen alle betrieblichen Abläufe kennen.“ , so Marion Diekmann.
Zum Menü: Die jungen Köchinnen und Köche kredenzen zunächst gebeiztes Lachstatar mit Pulpo-Krönchen, Teriyaki-Mayo und Kresse, dann gibt es Hirschragout mit Rot- sowie Rosenkohl und Kartoffelpüree und zum Nachtisch noch Creme Brulee mit Amarenakirsch-Eis. Das alles ist geradezu artifiziell angerichtet, denn das Auge ist bekanntlich mit. Und es schmeckt den Seniorinnen und Senioren ausgezeichnet – was sie gegenüber den Jugendlichen auch gleich mehrfach zum Ausdruck bringen.
Und dann ist da auch – und vor allem – der menschliche Faktor. Junge Frauen und Männer, die es mitunter selbst nicht leicht haben, kümmern sich geradezu liebevoll um alte Menschen, gehen auf sie ein und bereiten ihnen anderthalb wunderbare Stunden. Zu sehen ist aber auch, wie motiviert die jungen Menschen bei der Sache sind, wie sie spürbar Selbstvertrauen tanken, als sie merken, wie sehr ihr Menü und ihre Servicedienste gewertschätzt werden. Und das ist an diesem Tag mindestens ebenso wichtig, wie das überaus gelungene Menü.

