Endlich

zurück ins Matschland - Kinderland zurück zur Normalität -

Berichterstattung in der WN vom 29.6.2021, Michael Hagel

In den Kitas im Kreis normalisiert sich das Leben wieder - was das für Kinder und Erzieherinnen bedeutet

KREIS STEINFURT. Es war ein hochfeierlicher Akt: Mehrere Kinder zerschnitten vor knapp drei Wochen in der Horstmarer „Kinderland"-Ki­ta mit Scheren ein Absperr­band, das zuvor über Monate den Spielplatz vom Matsch­ bereich getrennt hatte. Es war so etwas wie die Rück­kehr zur Normalität - für Kinder wie für das Erzie­hungspersonal. Weg von den Corona-Einschränkungen.

Ähnliche Szenen gab es überall in den Kitas im Kreis Steinfurt, die ab dem 7. Juni endlich wieder in den Nor­malbetrieb übergingen. So auch die 20 „Kinderland" ­ Einrichtungen des Trägers „Lernen fördern". ,,Das ist schon ein gutes Gefühl", sagt Ann-Christin Otte, Leiterin des „Kinderlands" in Mettin­gen. ,,Und zwar für Kinder ebenso wie für das Erzie­hungspersonal", ergänzt ihre Kollegin Carolin Schmidt, die das „Kinderlands Hummerts­bach" in Emsdetten leitet.

Tatsächlich waren die letz­ten gut 15 Monate der Coro­na-Pandemie für die Kitas im Kreisgebiet ein permanentes Wechselbad der Gefühle: Es ging vom Regelbetrieb in die Notfallbetreuung, wieder in den eingeschränkten Regel­betrieb, dann in den norma­len Regelbetrieb, wieder zu­rück in den eingeschränkten Pandemiebetrieb, dann wie­der eingeschränkter Regelbe­trieb. Bis dann am 7. Juni endlich wieder der feste Re­gelbetrieb eingeführt wurde. Es gab Betretungsverbote für Eltern, Gruppentrennun­gen, insgesamt 14 von jetzt auf gleich umzusetzende Än­derungen beim Hygienekon­zept, diverse Quarantäne­ Maßnahmen und einiges mehr. In den „Kinderland" ­ Einrichtungen traten bis heute insgesamt 18 Coro­nainfektionen bei Kindern und 13 bei Erzieherinnen auf. Alles in allem belastende Zeiten für Kinder wie für das pädagogische Personal. ,,Wobei die Kinder das teil­weise gar nicht als so schlimm empfanden, die sind ja sehr wissbegierig, finden deshalb alles Neue erst mal sehr spannend und pas­sen gegenseitig auf sich auf", sagt Ludger Lünenborg, stellvertretender Geschäftsführer von „Lernen fördern".

Eine gewisse Distanz gibt es noch immer zu den Eltern, die ent­sprechend einer Vereinba­rung in der Regel ihre Kinder noch vor der Kita-Tür abgeben. Allerdings gibt es auch hier mittlerweile Ausnahmen, etwa bei der Eingewöhnung oder auch bei den Abschlussgesprächen. Seitdem die Kinder im Prinzip wieder alles dürfen, herrscht auch wieder mehr Leben in den Einrichtungen. Masken tragen nun auch die Erzieherinnen nicht mehr, die Gruppen sind nicht mehr starr getrennt, Kinder können wieder mit Freunden aus anderen Gruppen auf den Spielplatz. ,,Wir haben die zuvor mit Band abgesperrten Bereiche in Zeremonien von den Kindern wieder auf­schneiden lassen", sagt Lü­nenborg. ,,Juhu, Corona ist kleiner geworden!", habe ein glückliches Kind gesagt. Unmittelbare Folge der wiedergewonnen Freiheit war der Wunsch der Kinder, sofort „Party zu machen", wie Ann-Christin Otte es ausdrückt. Also wurde Musik ge­macht, getanzt, der Grill an­geworfen und Marshmallows über dem Feuer geröstet. Nur einige Kinder hätten leicht verwirrt nachgefragt, warum das eben erst Gelernte nun auf einmal nicht mehr gelten sollte. ,,Das haben wir ihnen dann erklärt", so Lünenborg.

Aufatmen auch bei den Er­zieherinnen und Erziehern: Endlich haben sie wieder halbwegs normale Arbeitszeiten, endlich ist wieder ei­ne gruppenübergreifende, sinnvolle pädagogische Ar­beit möglich. Und endlich können sich die Teams wie­ der im direkten Kontakt aus­tauschen. Ann-Christin Otte: „Man kriegt wieder was von den anderen mit!" Nun hof­fen sie nicht nur in den „Kin­derland" -Einrichtungen, das das dauerhaft so bleibt. Freude also allenthalben mit kleinen Ausnahmen. So beklagte sich ein Mädchen im „Kinderland Hummerts­bach": ,,Jetzt muss ich mir morgens meine Brötchen wieder selber schmieren."


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