Perspektive Arbeitsplatz

Der individuelle Weg von Dennis Greiwe

Zur Person
Dennis Greiwe ist heute 22 Jahre alt. Er lebt zusammen mit seiner Mutter und seinen beiden jüngeren Brüdern. Sein Vater ist schon vor einigen Jahren verstorben. Als Ältester ist er zuhause verantwortlich und eine Stütze für seine Mutter.

Schullaufbahn
Dennis Greiwes Schullaufbahn begann 2003 in der Erich-Kästner-Schule Steinfurt, seinerzeit eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen. Bereits ein Jahr später wechselte Dennis Greiwe zur St.-Elisabeth-Schule in Steinfurt, einer Einrichtung des Caritasverbandes zur schulischen Bildung und Erziehung junger Menschen mit geistiger Behinderung und weiteren Beeinträchtigungen. Ziele der St.-Elisabeth-Schule sind, zur Selbstverwirklichung, sozialen Integration, individuellen Entfaltung, weitgehenden Selbstversorgung und Lebensorientierung ihrer Schülerinnen und Schüler beizutragen. Diese Ziele hat auch Dennis Greiwe angestrebt und verfolgt sie über seine Schulentlassung hinaus. Dennis Greiwe ist den Weg seiner beruflichen Orientierung und Berufsfindung beharrlich Schritt für Schritt gegangen. 2014 kam er in die Berufspraxisstufe. In diesem Jahr wurde es in dem bereits erweiterten Schulgebäude der St.-Elisabeth-Schule zu eng. Ein Anbau war nicht möglich und so wurden für die Berufspraxisstufe extern Klassen- und Gruppenräume angemietet. Ein Novum, auf das sich Schule, Lehrerschaft, Schülerinnen und Schüler erstmalig in der über 40-jährigen Geschichte der Schule einließen. Dennis Greiwe gehörte zu den ersten Schülerinnen und Schülern, die von diesem Umzug betroffen waren. Rückblickend wird der Auszug und Umzug der Berufspraxisstufe von allen Beteiligten ausschließlich positiv bewertet. Mit dem neuen Standort sind andere Gepflogenheiten verbunden und Freiräume gegeben, die auf besondere Weise die Selbstständigkeit, soziale Integration und individuelle Entfaltung der Einzelnen fördern.

KAoA-STAR
Mit dem Eintritt in die Berufspraxisstufe lernte Dennis Greiwe auch Alfred Franke, Inklusionsberater des Lernen fördern in Steinfurt, im Rahmen seiner Tätigkeit in STAR (Schule trifft Arbeitswelt) kennen. STAR ist ein Baustein des Landesprogramms NRW „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (kurz KAoA) und richtet sich an Schülerinnen und Schüler mit anerkanntem sonderpädagogischen Förderbedarf in den Bereichen Sprache, Sehen, Hören und Kommunikation, körperliche und motorische Entwicklung, geistige Entwicklung oder mit einer anerkannten Schwerbehinderung. KAoA-STAR wird im Auftrag der beiden Landschaftsverbände LWL und LVR von den Integrationsfachdiensten (IFD) in ganz NRW vor Ort umgesetzt. In den drei letzten Schulbesuchsjahren wird allen Schülerinnen und Schülern der Zielgruppen das Angebot gemacht, an einer standardisierten Potenzialanalyse teilzunehmen, durch Berufsfelderkundungen verschiedene Berufsbereiche betrieblich oder außerbetrieblich kennen zu lernen und durch eine vertiefte Berufsfelderkundung durch Praktika, vorwiegend in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes, den Arbeitsalltag zu erleben. Die bekannten Verfahren der Berufsorientierung und individuellen Berufswegeplanung werden durch enge Zusammenarbeit mit Eltern/ Erziehungsberechtigten, Lehrerinnen und Lehrern und der Berufsberatung der Agentur für Arbeit weiterentwickelt und vernetzt. Ziel ist es, für alle Schülerinnen und Schüler den bestmöglichen Einstieg in das Berufsleben zu finden.

Berufsfindung
Bei Dennis Greiwes beruflichen Wünschen stand zunächst der Feuerwehrmann ganz oben auf der Skala. Obwohl klar war, dass Dennis Greiwe keine Chance auf eine Ausbildung bei der Berufsfeuer-wehr haben würde, nahm Alfred Franke diesen Wunsch sehr ernst und hinterfragte, was an diesem Beruf faszinierte. Schnell fand er heraus, dass es vor allem der Umgang mit großen Autos ist. LKWs wurden so zur Richtschnur für weitere berufliche Überlegungen. Dennis Greiwe schaute sich Lernen fördern Dienstleistungen, das gemeinnützige Inklusionsunter-nehmen des Lernen fördern, Kreisverband Steinfurt, an. Täglich wird dieses Unternehmen von LKWs angefahren, die be- und entladen werden müssen. Die Mitarbeitenden erledigen im Bereich Lager-Logistik zuverlässig und termingerecht vorrangig händische Tätigkeiten für namhafte Industrieunternehmen aus der Region. In dem Integrationsunternehmen zeigte sich, dass Dennis Greiwe dem Tempo, in dem die Waren kommissioniert und Arbeiten erledigt werden, nicht standhalten kann. Der Inklusionsberater akquiriert deshalb einen weiteren Praktikumsplatz. Im örtlichen Baumarkt Hellweg trifft er in Ralf Gerding, dem Marktleiter, auf einen engagierten Menschen mit ausgeprägtem Verständnis für die Problematik und dem Mut, Dennis Greiwe eine Chance zu geben. Von 2015 an ist Dennis Greiwe im Bereich Lager-Logistik für einige Wochen in Vollzeit, später dann regelmäßig an zwei Tagen in der Woche beschäftigt. Hier hat er einen Arbeitsplatz gefunden, den er gern auch weiterhin beruflich besetzen möchte. Er strengt sich an. Und zum Ende der Schulzeit ist Ralf Gerding davon überzeugt, dass Dennis Greiwe sich mit entsprechendem Training, z.B. im Bereich Arbeitsplanung, Merkfähigkeit oder Problemlösefähigkeit, einen Arbeitsplatz erarbeiten kann. In enger Zusammenarbeit kommen die Reha-Beraterin der Agentur für Arbeit, der Klassenlehrer, die Mutter und der Inklusionsberater zu dem Schluss, dass Dennis Greiwe die genannten Bereiche am besten im Rahmen der Unterstützten Beschäftigung (UB nach § 38a Abs. 2 SGB IX) trainieren kann.

Eintritt in die Unterstütze Beschäftigung (UB)
Zum 01.09.2016 wird Dennis Greiwe in die UB aufgenommen. Ziel der UB ist, Menschen mit Behinderungen mit besonderem Unterstützungsbedarf eine angemessene, geeignete und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu ermöglichen und zu erhalten. Die UB umfasst neben der kompetenzorientierten Qualifizierung direkt am Arbeitsplatz die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen und von berufsübergreifenden Lerninhalten sowie die Weiterentwicklung der Persönlichkeit. Die UB folgt dem Grundsatz „Erst platzieren, dann qualifizieren“. Der Platz im Baumarkt Hellweg war bereits gefunden. Im Rahmen der UB wird Dennis Greiwe nun von der Inklusionsberaterin Marita Groneick engmaschig am Arbeitsplatz begleitet und qualifiziert. Ganz wichtig ist, dass Dennis Greiwe einen betrieblichen Paten zur Seite hat. Michael Maihaus, so der Name des Paten, ist sein Ansprechpartner. Von ihm erhält er seine Arbeitsanweisungen. Zugleich ist dieser Pate Vermittler zwischen Dennis Greiwe und den Arbeitskollegen. Kommt es zu Unstimmigkeiten, nimmt er den Zündstoff raus. Nach ca. 9 Monaten zeigt sich im Arbeitstraining und im Austausch mit dem Paten, dass Dennis Greiwe in der Arbeitsausführung sicherer wird. Vertraute Routineaufgaben, wie das Einsortieren von ihm bekannter Ware, setzt er selbstständig um und auch im Umgang mit Leerlaufzeiten werden Entwicklungsschritte sichtbar. Schon zu diesem Zeitpunkt initiiert die Mitarbeiterin aus der UB ein gemeinsames Gespräch mit dem Marktleiter und dem Inklusionsberater aus dem Integrationsfachdienst (IFD), Georg Hillebrandt, in dessen Zuständigkeit die Arbeitsplatzsicherung fällt. Denkbare Förderinstrumente und die Vorteile einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung werden skizziert. Der Marktleiter stellt schließlich nach Rücksprache mit der Bezirksleitung eine Teilzeitbeschäftigung bei weiterer positiver Entwicklung der Qualifizierung zu Ende 2017 in Aussicht. Zur Bedingung macht er, dass Dennis Greiwe noch im Rahmen der UB den Flurförderschein erwirbt. Dieses Ziel wird erreicht und damit öffnen sich Dennis Greiwe weitere Möglichkeiten für neue Aufgaben und Verantwortlichkeiten auf seinem Arbeitsplatz.

Arbeitsplatzsicherung durch den Integrationsfachdienst
Am 30.11.2017 wird Dennis Greiwe aus der UB abgemeldet. Er erhält einen auf zwei Jahre befristeten Teilzeitarbeitsvertrag über 30 Wo.Std. ab dem 01.12.2017 im Baumarkt Hellweg. Die Agentur für Arbeit bewilligt für diesen Arbeitsvertrag einen Eingliederungszuschuss. Der betriebliche Pate ist jetzt nicht mehr vonnöten. Im Rahmen der Arbeitsplatzsicherung steht aber der Inklusionsberater des IFD für den Marktleiter und für Dennis Greiwe als Ansprechpartner weiterhin zur Verfügung. 14-tägig besucht er Dennis Greiwe im Betrieb und versichert sich, dass alles in Ordnung ist bzw. überprüft, ob Unterstützung notwendig ist. Die berufliche Entwicklung von Dennis Greiwe ist nach wie vor auf Erfolgskurs. Er zeigt mehr Eigenverantwortlichkeit in seinem Arbeitsbereich und hat infolge dessen zusätzliche Verantwortungsbereiche übertragen bekommen.

Perspektive
Den Inklusionsberater des IFD stimmt die Entwicklung optimistisch. Als nächsten Schritt gilt es jetzt, Dennis Greiwe in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu überführen.

Dennis Greiwe auf dem Flurförderzeug (Gabelstapler).
Dennis Greiwe mit seinem Kollegen und früheren betrieblichen Paten Michael Maihaus.

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