Lernpäckchen

durchs Gartentor - Sorge um Zukunft

„Das ist gerade nicht lustig. Wir machen uns alle große Sorgen“, so beschreibt die pädagogische Mitarbeiterin des Lernen fördern in Steinfurt Marita Groneick die aktuelle Situation. Die Fachfrau ist tätig im Bereich des Projektes „Unterstützte Beschäftigung“, einem Angebot der Agentur für Arbeit, das Menschen mit Behinderungen Chancen auf eine reguläre Arbeit ermöglichen soll. „Die Teilnehmer werden individuell betreut und dabei unterstützt herauszufinden, welche Tätigkeiten ihnen Spaß machen und wo sie ihre Stärken einsetzen können“, erklärt Sönke Delarue, Teamleiter für Schwerbehinderte und Rehabilitanden in der Agentur für Arbeit, die das Projekt finanziert.

Wichtiger Bestandteil der Unterstützten Beschäftigung sind Praktika in Unternehmen, die durch die Fachkräfte von Lernen fördern intensiv begleitet werden. „So können sich beide Seiten kennenlernen. Das bietet auch Arbeitgebern die Möglichkeit, auszuprobieren, ob die Teilnehmer in den Betrieb passen, und so Bewerber kennenzulernen, die sie vielleicht vorher nicht in den Blick genommen haben“, berichtet Delarue.

In Steinfurt sind es insgesamt 13 Personen (im gesamten Kreisgebiet 38 Personen) zwischen 18 und 35 Jahren, die alle in irgendeiner Form eine psychische und physische Einschränkung haben, und die Lernen fördern und die Arbeitsagentur Rheine mit der Unterstützten Beschäftigung betreuen.

Über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren arbeiten diese Personen in verschiedenen Firmen, von der Metallverarbeitung bis zur Tagespflege für Senioren. Die Lernen fördern-Fachleute übernehmen hier die Aufgabe des Arbeitsanleiters und sind viele Stunden in der Woche als Jobcoach in den Unternehmen. Hier werden Arbeitsabläufe mit den Vorgesetzen abgesprochen, trainiert und Fertigkeiten erworben.

Einmal in der Woche trifft sich die ganze Gruppe beim Lernen fördern in Steinfurt. Dann werden zum Teil fachliche Dinge aufgearbeitet und zu einem großen Teil tauscht man sich aus, hört zu und sucht nach Lösungen auch für große und kleine Sorgen im privaten Umfeld. „All das fällt jetzt weg. Für diese Menschen ist das eine Katastrophe, eine ganz besondere Herausforderung. Sie brauchen Routine und Strukturen“, sorgt sich Marita Groneick.

„HomeLearning“ ist vorgesehen, ist aber in diesem Fall nicht oder nur schwer möglich. „Viele sind mit dieser digitalen Welt überfordert und oft fehlt es auch daran, dass einfach kein PC oder Drucker zur Verfügung steht“, so Groneick. Die Pädagogin ist kreativ geworden, hat Päckchen mit Lernmaterialien gepackt und diese nach telefonischer Ankündigung „über den Gartenzaun“ überreicht.

„Manchmal war ich am Tag der einzige Mensch, mit dem sie geredet haben. Das macht mich ganz schön traurig!“ Groneicks Sorge ist es aber auch, dass das ein oder andere Corona-geschädigte Unternehmen den Lernen-fördern-Praktikanten nun doch nicht einstellen wird. „Darum wissen natürlich auch unsere Teilnehmer.“ Ludger Lünenborg, stellvertretender Geschäftsführer des Lernen fördern appelliert an die Unternehmen der Region, diesen Menschen die Chance nicht zu nehmen:

„Gerade hier ist Solidarität gefragt.“

Die Lernen fördern – Einrichtungen im Kreis Steinfurt (Ibbenbüren, Rheine, Greven, Emsdetten, Rheine, Steinfurt und Lengerich) haben inzwischen wieder geöffnet. Schulung und Beratung findet Einhaltung der Hygienevorschriften statt. Auch starten alle planmäßigen neuen Projekte, die immer das Ziel haben, Menschen auf dem Weg in den Beruf zu begleiten.


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