Die Bedeutung vom Spiel in der Natur

Oder warum es so viel Spaß macht, sich auch mal dreckig zu machen

All das mag für uns Erwachsene wenig reizvoll klingen. Entweder man macht sich dreckig oder es ist gefährlich. Zudem haben wir zwischen Beruf- und Privatleben auch gar keine Zeit für so Unwichtigkeiten, mag der ein oder andere vielleicht denken. Eine Sandburg mit Wassergraben zu bauen oder dem Wind dabei zuzusehen, wie er die Blätter durch die Luft wirbelt, ist für viele wahrscheinlich vergeudete Zeit. Schließlich muss noch die Wäsche gemacht, das ein oder andere für die Arbeit erledigt werden und zwischen all dem möchte man ja auch noch Zeit mit seiner Familie verbringen. Wer allerdings schon mal ein Kind dabei beobachtet hat, wie es mit leuchtenden Augen einen Regenbogen betrachtet, immer wieder über einen Stamm im Wald balanciert oder voller Faszination barfuß über eine Wiese läuft, wird sich vielleicht an seine eigene Kindheit erinnert fühlen. Kinder lieben die Natur. Kinder lieben es Draußen zu spielen und sie lieben es dort, vom Unbekannten, überrascht zu werden. Die meiste Zeit des Tages halten wir uns jedoch drinnen auf. Gerade hier gibt es aber nur noch wenige Möglichkeiten zum wirklich freien und spielerischem Entdecken. Alles ist von uns Erwachsene konstruiert und strukturiert, viele der Spielsachen vorgefertigt, aber auf jeden Fall von uns ausgewählt. Natürlich birgt all dies wenige Gefahren, aber es bietet auch wenig Freiraum zum Erkunden. In der Natur allerdings ist nicht jeder Tag gleich, Naturmaterialien und Umgebung nicht einfach zu durchschauen. Es ist für Kinder nicht so einfach vorhersehbar, wie sich der Wassertropfen auf dem Blatt bewegen wird oder ob sie es schaffen, die Schräge im Wald hinunterzurennen, ohne hinzufallen. Aber genau hier liegen der Reiz und die Möglichkeit neue Dinge zu erleben, an ihnen zu wachsen und die eigenen Fähigkeiten zu erweitern. Kinder haben ihn noch, den natürlichen Bewegungsdrang. Diese innere Stimme, die sie einfach so losrennen lässt, die dazu führt, dass sie immer wieder Schaukeln, den Ball werfen oder gegenseitig ihre Kräftemessen. Die Natur steht dabei im größeren Einklang mit ihren Bedürfnissen, als unsere begrenzten Innenräume es der Fall sind. Jede noch so gut ausgestattete Turnhalle bietet nicht die Freiheit, die eine große Wiese, ein aufregender Spielplatz oder der Wald zu bieten hat. Ein Kind, welches sich einen Großteil des Tages draußen aufhalten durfte, dort Neues entdecken und seine Energie loswerden konnte, zeigt sich ausgeglichener und glücklicher. Ein solches Kind ist seltener krank, hat weniger Allergien, ist geübter in seiner Motorik und verfügt über eine größere Konzentrationsgabe. Ein solches Kind ist mit mehr Selbstbewusstsein ausgestattet, immerhin hat es sich schon so manch einer ungewissen Situation gestellt und verfügt über ein besseres Körpergefühl. Natürlich ist ein solches Kind schon mal hingefallen und hat sich wehgetan, es ist aber auch genauso oft schon wieder aufgestanden und nochmal auf den Baum geklettert. Ein solches Kind weiß Gefahren besser einzuschätzen und ist Ideenreicher, wenn es um das Finden von Lösungsstrategien geht. Ein solches Kind trägt einen Rucksack voller wertvoller Erfahrungen und Fähigkeiten mit sich, die es ihm ermöglichen seiner Welt offen, neugierig und mit Vorfreude entgegenzutreten. Unsere Aufgabe besteht darin, unseren Kindern diese Situationen zu ermöglichen. Wir müssen mit ihnen vor die Tür gehen und dort der Natur, mit all ihren Überraschungen, begegnen. Die möglichen Gefahren und Ängste existieren vor allem in unseren Köpfen und wir sollten versuchen, diese zu überwinden und gemeinsam mit unseren Kindern auf Entdeckungsreise zu gehen.

Laura Lübke


Melden Sie sich bitte mit Ihren Zugangsdaten an, um die Fotogalerie zu sehen.