Das Schlafverhalten von Kindern

Ein Fachbericht von Susanne Friedrich - Fachkraft für altersgerechte Entwicklung

 

Schlaf ist eine Lebensnotwendigkeit.

Im Schlaf werden geistige und körperliche Kräfte für den nachfolgenden Tag regeneriert. Wir verarbeiten Eindrücke des vergangenen Tages und stärken dabei unsere Immunabwehr. Weiterhin hat der Schlaf einen deutlichen Einfluss auf unser Lernverhalten.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde der Schlaf in allen Lebensaltern ausgiebig untersucht, wobei Forscher zwischen zwei Funktionszuständen des Schlafens (Schlafstadien) unterscheiden. Das erste Schlafstadium, das sogenannte REM (Rapid Eye Movement), oder auch der oberflächliche und aktive Schlaf, ist durch mehrere Faktoren bestimmt: einem Aktivitätsmuster des Gehirns, einer unregelmäßigen Atmung, gelegentlich motorischer Unruhe und schnellen Bewegungen des Augapfels unter den Augenlidern. Das zweite Schlafstadium, dem sogenannten tiefen Schlaf, ist gekennzeichnet durch ein Fehlen dieser raschen Augenbewegungen. Aus diesem Grund wird dieser Funktionszustand Non-REM-Schlaf genannt. Hier atmen wir regelmäßig und bewegen uns nicht.

In einer Nacht werden die verschiedenen Stadien mehrmals zyklisch durchlaufen und unterliegen wie alle Körperfunktionen einem zirkadianen Rhythmus. Von der Geburt an bis ins hohe Alter verändern sich die verschiedenen Rhythmen und Zyklen und die Schlafdauer passt sich immer wieder an. Der Schlafbedarf beginnt ab dem 2. Lebensjahr abzunehmen, wobei vor allem der Tagschlaf rückläufig ist. Sehr interessant ist, dass diese Zyklen, Schlafdauer und Rhythmen beim Menschen genauso vererbbar sind wie die Körpergröße oder Augenfarbe. Sie können somit von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.

In der folgenden Tabelle wird das durchschnittliche Schlafbedürfnis zum jeweiligen Alter dargestellt werden:

Alter                Schlafbedarf (Durchschnitt je 24 Std.)     Tagesschlaf

0–3 Monate     16–18 Std.                                                   gleichmäßig verteilt Tag/Nacht

3 Monate         14,5 Std.                                                      Zunahme Nachtschlaf / Abnahme Tagschlaf

6–9 Monate     14,2 Std.                                                      Beginn des Durchschlafens 6 - 8 Stunden

12 Monate       14 Std.                                                         2 und mehr Tagschläfe

18 Monate       13,5 Std.                                                      1 Tagschlaf (96 % d. Kinder)

2 Jahre             13 Std.                                                         1 Tagschlaf (87 % d. Kinder)

3 Jahre             12,5 Std.                                                      1 Tagschlaf (50 % d. Kinder)

3–5 Jahre                                                                              Ende Mittagsschlaf

4 Jahre            11,8 Std.                                                       1 Tagschlaf (35 % d. Kinder)

5 Jahre            11,4 Std.                                                                       -

6 Jahre            11 Std.                                                                          -

 

Angaben nach: Oskar G. Jenni, Ivo Iglowstein, C. Benz, Remo H. Largo: Perzentilenkurven für die Schlafdauer in den ersten 16 Lebensjahren. pädiat. prax. 63 481-489 (2003) Hans Marseille Verlag. München.

Um die zu Beginn des Artikels dargestellten positiven Aspekte des Schlafes zu bewirken, ist es von immenser Bedeutung, dass Eltern ihre Kinder durch geregelte und feste Tagesabläufe darin unterstützen, einen Schlaf-Wach-Rhythmus zu entwickeln.

Dabei muss berücksichtigt werden, dass der Körper eine innere biologische Uhr besitzt. Diese zu verändern bedarf einer längeren Zeit von mindestens 7-14 Tagen. Es ist also ein Irrglaube, dass wenn man das Kind abends zwei Stunden länger aufbleiben lässt, es am nächsten Morgen direkt zwei Stunden länger schläft. Zudem gehen Forscher davon aus, dass sich das Schlafbedürfnis auf 24 Stunden berechnen lässt. Das bedeutet, dass sich Tag- und Nachtschlaf bedingen: Je mehr ein Kind tagsüber schläft, desto weniger schläft es nachts und umgekehrt.

Für einen gesunden Schlaf-Wach-Rhythmus ist es zudem wichtig, dass zwischen dem Mittags- und Abendschlaf mindestens vier Stunden liegen sollten, damit das Kind abends wieder richtig müde ist.

Ein Mittagsschlaf ist für viele Kinder sehr wichtig, da es hier ausreichend Kraft und Energie tanken kann, die es für das Erkunden der Welt benötigt. Die Leistungsbereitschaft und das eigene Wohlbefinden sind nämlich dann am größten, wenn der Mensch für seine Bedürfnisse ausreichend schläft.

Im Folgenden wenden wir uns ganz praktischen Tipps zu, wie das Kind gut in den Schlaf finden kann:

• Ein fest strukturierter Tagesablauf mit immer wiederkehrenden Zeiten für Essen, Pausen und Schlafen helfen abends sehr.

• Feste Routinen und Rituale

• Bewegungsangebote zum Auspowern am Tag (gern an der frischen Luft)

• Hilfreiche Schlafbegleiter anbieten (beispielsweise einen Schnuller, ein Schnuffeltuch, ein Kuscheltier…)

• Spätestens eine Stunde vor der Schlafenszeit ruhige Angebote machen

Schlafstörer können folgende Aspekte sein:

• Licht und Lärm

• Rauchen in den Wohnräumen

• Anregende Getränke, wie Cola, Eistee etc.

• Schweres Essen kurz vor dem Schlafen

• Tv, Tablet, Smartphone etc.

Kommt ein Kind trotz der dargestellten Unterstützung abends nicht in den Schlaf, spricht man von Einschlafstörungen. Diese zeigen sich dadurch, dass ein Kind nur mit aufwändiger Hilfe von Erwachsenen einschlafen kann (z. B. durch getragen werden…) oder, dass ein Kind über einen Monat lang an mehr als 5 Abenden in der Woche mehr als 30 Minuten zum Einschlafen benötigt. Ist das der Fall sollten die Bezugspersonen ein Schlafprotokoll (Schlafenszeiten, Schlafdauer, Aktivitäten, Befindlichkeiten etc…) anfertigen, welches als Grundlage für ein Gespräch beim Kinderarzt dienen kann.

Denn wie oben bereits beschrieben, ist zu wenig Schlaf dauerhaft nicht förderlich für die kindliche Entwicklung. Mit ausreichend Schlaf kann es seine Entwicklungsaufgaben dagegen jeden Tag aufs Neue bewältigen.

Quellen: Babyjahre, Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren; Remo H. Largo; 2018/Perzentilenkurven für die Schlafdauer in den ersten 16 Lebensjahren, pädiat. prax. 63 (481-489); Oskar G. Jenni, Ivo Iglowstein, C. Benz, Remo H. Largo; 2003/Kindergarten heute, Herder Verlag 100_2016, 46. J

 

 


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