Alltagsbewältigungen in der aktuellen Zeit – „Mama, wieso darf ich nicht in den Kindergarten“

Fachbericht

Für alle von uns ist diese Situation neu. Anders. Herausfordernd. Wir müssen uns in unserem neuen Alltag zurechtfinden und uns neu ordnen. Auch für die Kinder ist vieles eingebrochen. Strukturen, die sie über Monate und Jahre hatten, fallen weg. Wichtige Bezugspersonen wie Erzieher, Opa und Oma sind nicht mehr da und Freunde dürfen nicht mehr besucht werden. Mama und Papa sind gestresst, müssen zu Hause arbeiten, für ältere Geschwisterkinder Lehrer spielen, fluchen vielleicht etwas häufiger und die Spielplätze, die man so gerne als Ausgleich besucht hat, sind geschlossen. Dabei sind gerade für die Kleinsten unter uns Strukturen und ein geregelter Alltag von großer Bedeutung und wichtig. Die täglichen Fixpunkte geben den Kindern Halt und Vertrauen. Dieser Rückhalt vermittelt Sicherheit und ermutigt sie, sich auf Neues einzulassen und dazuzulernen. Es macht sie selbständiger, selbstbewusster und zufriedener. Dieser gelebte Alltag ist plötzlich nicht mehr da. Der Kindergarten hat geschlossen und man steht vor neuen Herausforderungen. Man hat sein Kind zu Hause und muss die Arbeit nun ebenfalls von dort aus erledigen. Die Kinder verstehen nicht so Recht, was vor sich geht, aber freuen sich auf ganz viel Zeit mit Mama und Papa. Die Aussicht, dass dieser alte Alltag sobald nicht wiederkommt, lässt viele verzweifeln. Doch wie den Alltag und die Strukturen so entspannt wie möglich gestalten?

Hier fängt es schon morgens an. Geregelte Aufstehzeiten und ein morgendliches Ritual sind als Einstieg in den Tag wichtig. Die Kinder von Anfang an mit einzubeziehen zeigt ihnen, dass sie gebraucht werden und lässt den Tag entspannter starten. Ein gemeinsames Frühstück darf dabei natürlich nicht fehlen. Da in der momentanen Situation vieles anders ist, ist ein gemeinsam erstellter Tagesplan von Vorteil, der sich im besten Fall jeden Tag anders gestalten lässt. Was steht heute an? Brauchen Mama/Papa etwas Zeit, um zu arbeiten? Was kann das Kind in der Zeit machen, damit dies in Ruhe gelingen kann? Vielleicht lässt sich dies besser gestalten, in dem es für die Kinder ebenfalls „Arbeit“ zu tun gibt. Gibt es vielleicht einen älteren, ausrangierten Laptop zu Hause, an dem das Kind selber „arbeiten“ kann? Dann steht das Mittagessen an. Das gemeinsame Kochen lässt nicht nur die Zeit schneller vergehen, sondern kann auch großen Spaß machen und bietet den Kindern neue Möglichkeiten, sich auszuprobieren, Neues kennen zu lernen, und ganz nebenbei entsteht eine leckere Mahlzeit, die sie selbst zubereitet haben. Auch bei der Hausarbeit können die Kinder gut mit eingebunden werden. Spülmaschine ein- und ausräumen, bei der Wäsche helfen, Staub putzen oder Saugen. Schon die Kleinsten können dabei helfen und sind mächtig stolz auf sich und die getane Arbeit. So lassen sich auch viele Konflikte vermeiden („Mama darf Staubsaugen und ich muss zugucken und darf nichts machen?“).

Bei Spaziergängen nach getaner Arbeit und einer großen Spielrunde zu Hause können dann noch einmal alle Energiereserven genutzt werden. Neue Routen oder kleine Spiele während des Spazierganges bringen Abwechslung und lassen einen Spaziergang aufregender gestalten. Man kann verschiedene Naturmaterialien nach Farben sammeln oder lauschen, was man für verschiedene Vogelarten hört. Bei allem sollten wir uns aber auch immer wieder vor Augen halten, dass Kinder viel mehr verstehen, als wir annehmen. Und somit sollten die Kinder verständlich aufgeklärt werden, weshalb gerade alles anders ist.

Kinder zeigen mehr Verständnis, wenn wir ihnen erklären, was gerade passiert, und können dann mit der gesamten Situation besser umgehen. Dennoch soll gesagt sein: Diese Situation wird irgendwann wieder anders sein. Wann, kann leider keiner genau sagen. Und so lange es noch ungewiss ist, wann es wieder unsere gewohnte Normalität geben wird, müssen wir für die Kinder eine sichere Umgebung aufbauen. Wenn Sie Fragen, Tipps, Anregungen haben oder Unterstützung in dieser Zeit benötigen, scheuen Sie sich nicht, uns anzurufen. Auch in dieser Zeit sind wir als Ansprechpartner weiterhin für sie da.

 

Marie Deeken - Kinderland Burg Steinfurt


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